Sparkassenpräsident im Zwielicht

Eigentlich sollte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am 8. November 2017 einen neuen Präsidenten wählen. Einen Kandidaten gab es auch schon: der seit 2012 amtierende Präsident Horst Fahrenschon. Die Wahl wurde erst einmal verschoben. Der Grund? Fahrenschon muss sich vor dem Münchner Amtsgericht wegen des Verdachtes auf Steuerhinterziehung verantworten.

Was macht den Fall so pikant?

Hintergrund für die Anklage ist der Umstand, dass Horst Fahrenschon seine Steuererklärungen für die Jahre 2012 bis 2014 erst im Jahr 2016 eingereicht hat. Jeder Steuerzahler in Deutschland weiß, dass diese Fristenauslegung recht großzügig ausfällt. Wurde die Steuererklärung in der Vergangenheit selbst angefertigt, war der 31. Mai des Folgejahres der Stichtag. Wurde ein Steuerberater damit beauftragt, war eine Fristverlängerung möglich, allerdings nicht für vier Jahre.

Dabei sollte Horst Fahrenschon die gesetzlichen Regelungen eigentlich kennen. In den Jahren 2008 bis 2011 war das CSU-Mitglied als bayerischer Finanzminister oberster Herr der bayerischen Finanzbehörden. Fahrenschon verneint eine vorsätzliche Straftat und beteuert, dass die offenen Steuern zwischenzeitlich beglichen seien. Das Amtsgericht sieht in der mehrjährigen Verzögerung jedoch eine vorsätzliche Steuerhinterziehung.

Noch mehr Turbulenzen beim DSGV

Die verschobene Wahl des Präsidenten ist nicht das einzige Ungemach für den Verband. Anfang November räumte Fahrenschon der Börsenzeitung gegenüber ein, dass der Angriff auf PayPal mit dem deutschen Bezahlsystem Giropay kläglich gescheitert ist: „„Ja, es stimmt. Paydirekt ist bisher kein Erfolg, wir müssen bitteres Lehrgeld zahlen.“

Über 100 Millionen Euro hatten die Sparkassen und die beteiligten Banken, darunter Deutsche Bank und Commerzbank, in das Projekt investiert.

Seit 2015 am Markt, konnte sich Paydirekt nie durchsetzen. Die Nutzerzahl lag unter der Zahl der bei den Sparkassen beschäftigten Mitarbeiter. Selbst im eigenen Haus herrschten Zweifel. Von den Top 100 Onlineshops in Deutschland akzeptierten im Dezember 2016 gerade einmal neun Unternehmen das Zahlsystem der deutschen Banken und Sparkassen.

turbulenz

Quelle: https://bankinghub.de/innovation-digital/ist-paydirekt-geruestet-fuer-das-weihnachtsgeschaeft

Den 19 Millionen Nutzern von PayPal stehen 2017 gerade einmal 1,5 Millionen Verbraucher gegenüber, die auf Paydirekt zurückgreifen. Immerhin hat sich die Zahl verdoppelt. Im November 2016 waren es noch 750 Tausend.

Einstampfen wollen die beteiligten Institute das Projekt jedoch nicht. Es seien noch einmal 300 Millionen Euro notwendig, um eine völlige Umstrukturierung zu erreichen. Davon würde der Deutsche Sparkassen- und Giroverband 100 Millionen übernehmen, sofern die anderen Partner die restlichen 200 Millionen Euro beisteuern würden. Unabhängig davon, welche Kennziffern man bei PayPal und Paydirekt vergleicht, es sieht danach aus, als ob sich die deutsche Kreditwirtschaft ein gigantisches Abschreibungsprojekt eingehandelt hat.

paypal

Den 19 Millionen Nutzern von PayPal stehen 2017 gerade einmal 1,5 Millionen Verbraucher gegenüber, die auf Paydirekt zurückgreifen. Immerhin hat sich die Zahl verdoppelt. Im November 2016 waren es noch 750 Tausend.

Einstampfen wollen die beteiligten Institute das Projekt jedoch nicht. Es seien noch einmal 300 Millionen Euro notwendig, um eine völlige Umstrukturierung zu erreichen. Davon würde der Deutsche Sparkassen- und Giroverband 100 Millionen übernehmen, sofern die anderen Partner die restlichen 200 Millionen Euro beisteuern würden. Unabhängig davon, welche Kennziffern man bei PayPal und Paydirekt vergleicht, es sieht danach aus, als ob sich die deutsche Kreditwirtschaft ein gigantisches Abschreibungsprojekt eingehandelt hat.

Wer als Händler Paydirekt akzeptiert, akzeptiert auch auf jeden Fall PayPal. Umgekehrt verhält sich das längst nicht so. Warum sollte ein Verbraucher sich also auf einen zweiten Bezahldienstleister einlassen. Akzeptanzlücken, wie beispielsweise bei Kreditkarten, gibt es nicht.

Es bleibt die Frage, wie die Zukunft aussieht. Für Horst Fahrenschon und für Paydirekt. Fahrenschon droht im Falle eines Schuldspruchs eine Geld- oder Haftstrafe. Eine Beruhigung gibt es allerdings für ihn. Die maximale Haftdauer von zehn Jahren für das Delikt der Steuerhinterziehung haben Gerichte noch nicht einmal bei Millionenbeträgen verhängt.

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