Weihnachten – das Fest, dass sich viele eigentlich nicht leisten können

Das schwedische Inkassounternehmen Intrum Justitia hat auch in diesem Jahr wieder eine Umfrage zum Thema Weihnachen durchgeführt. Im Rahmen der Studie „European Consumer Payment Report“ wurden europaweit 24.401 Verbraucher befragt, darunter 1.044 in Deutschland. Das Umfrageergebnis gibt gerade im Zusammenhang mit Weihnachten zu denken.

Eltern unter Druck

Für viele Eltern ist Weihnachten alles andere als ein besinnliches Fest. In Bezug auf die Wünsche der Kinder bedeutet Weihnachten für sie, die Grenzen des finanziell Machbaren zu überschreiten. Immerhin 30 Prozent aller befragten Eltern räumten im Rahmen der Befragung ein, dass sie ihr Haushaltsbudget stark überstrapazieren, um den Erwartungen der Kinder gerecht zu werden.

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Quelle: http://newsletter.bcw-gruppe.de/news/Ausgabe-150-Dezember-2015-1188.html

In der Altersgruppe der 18- bis 34jährigen war das Ergebnis noch niederschmetternder. In dieser Altersklasse sind es 52 Prozent, die unter dem sozialen Druck regelrecht in eine Verschuldungsgefahr geraten. Nicht kleckern, klotzen, heißt es in vielen Haushalten. Die Kinder können nicht nachvollziehen, dass nicht immer alles geht und sind am Ende die Leidtragenden, wenn in ihrem sozialen Umfeld augenscheinlich „alle viel mehr“ Geschenke unter dem Weihnachtsbaum fanden.

Von den Eltern, die unter diesem sozialen Druck standen, haben letztendlich 82 Prozent nachgegeben, um die Enttäuschung bei ihrem Nachwuchs zu vermeiden. Immerhin 25 Prozent dieser Gruppe musste sich dafür Geld leihen, oder den Dispokredit in Anspruch nehmen. Gerade in Wohngegenden mit relativ hohem Einkommen wird es für Kinder aus weniger begüterten Familien kritisch. Die Angst der Eltern, abgestempelt zu werden oder das Kind Formen von Mobbing auszusetzen, begünstigt das Nachgeben.

Nach wie vor steht Markenkleidung mit 31 Prozent ganz oben auf der Hitliste der Geschenke, welche das Budget zu sprengen drohen. Auf Rang zwei folgen Videospiele und Spielkonsolen mit 26 Prozent. Produkte aus diesem Segment, respektive generell aus dem digitalen Bereich, stehen bei Eltern wiederum an erster Stelle, wenn es darum geht, das Geld „aus der Tasche zu gezogen bekommen“. Zumindest räumten dies viele Elternteile ein.

Platz drei mit 25 Prozent teilen sich Markenschuhe und Reisen. Computer liegen mit 24 Prozent auf Rang vier und Handys, mehr Statussymbol als Telefon, vereinnahmen immerhin noch 23 Prozent.

Abgesehen von den digitalen Spielzeugen hat sich in den letzten 30 Jahren wenig geändert. Wer unterjährig keine Markenkleidung bekommt, hoffte schon früher inständig auf Weihnachten, um dann kleidungsmäßig wieder mithalten zu können.

Soziale Netzwerke nicht ganz unschuldig

Leider hat die Studie nicht nachgefasst, ob Eltern in gleichem Maß auch für sich Geschenke einkaufen, oder ob die Aussage, dass die Kinderwünsche sehr teuer ausfallen, nur eine Schutzbehauptung ist.

Unstrittig ist auch, dass mit und durch soziale Medien ebenfalls ein Druck aufgebaut wird. Von den Befragten gaben 24 Prozent an, dass sie durch soziale Medien dazu verführt werden, mehr zu konsumieren, als notwendig oder eigentlich möglich ist.

Dieser Sachverhalt betrifft aber nicht nur die Vorweihnachtszeit, sondern hat das ganze Jahr über Gültigkeit. Die Befragung brachte in diesem Zusammenhang noch einen weiteren Umstand ans Licht, der den Auftraggebern der Umfrage ebenfalls zu denken gibt. Im Jahr 2017 fanden es 41 Prozent der interviewten Deutschen als völlig normal an, einen Fernseher oder ein Auto auf Kredit zu kaufen. Im Jahr 2016 waren es noch 35 Prozent und im Jahr 2015 sogar nur 20 Prozent. Die Verdoppelung der Zahl derer, für die ein Kredit etwas völlig Natürliches darstellt, birgt Risiken.

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Quelle: Statista.de

Die Vielzahl der Bezahlmöglichkeiten verführt dazu, auch kleinpreisige Dinge auf Kredit zu kaufen, was am Ende in einer Überschuldung münden kann. Auch wenn die Kreditaufnahme ein Motor für unser Wirtschaftswachstum darstellt, lassen sich die Gefahren nicht wegdiskutieren.

Wie mit den zu teuren Wünschen der Kinder umgehen?

Wenn vier von fünf Freunden sich die neueste X-Box wünschen und auch bekommen, diese aber nicht bezahlbar ist, fällt es schwer, diesen Sachverhalt einem acht Jahre alten Kind zu erklären.

Ein Lösungsansatz liegt darin, dass Kinder über das Jahr lernen, sich ihre Wünsche über das Taschengeld zu erfüllen. Die Erkenntnis, dass sie nur das Geld ausgeben können, das sie auch haben, lässt sich dann auch auf den Wunschzettel übertragen. Dem Satz „alle anderen haben das auch“ mit der Aussage „wenn alle vom Dach springen, springst Du dann auch?“ zu begegnen, ist wenig zielführend.

Wichtig ist auch, gerade Teenagern zu erklären, dass sogenannte Influencer, die auf Youtube und Twitter subtil Produkte anbieten, dies nicht aus Gutmütigkeit tun. Dem Wunsch, bei den Zuschauern, den Followern, das Bedürfnis zu wecken, auch das beworbene Produkt zu kaufen, damit man sich ebenso gut fühlt, wie der Influencer, liegen knallharte finanzielle Interessen zugrunde.  Diese Erkenntnis gilt es, den jungen Menschen zu vermitteln.

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Quelle: http://www.horizont.net/news/media/21/Ranking-201371.jpeg

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